meine Kurzbio (eine immerwährende Tragödie)

Es geschah wohl in einer kalten Januarnacht, nach einem Diskothekbesuch, als meine Mutter bei meinem Vater übernachtete. Und wie das eben so ist, wenn Männlein und Weiblein es beide mal wieder dringend nötig haben, aber keine Kondome da sind, und sie auch nicht die Pille nimmt, so ließen auch diese beiden sich auf einen Akt ein, der neun Monate später mit einer Kinderüberraschung (nämlich mir) endete. Doch nach besagtem Akt war meine Mutter ganz auf sich gestellt, denn meinen Vater hatte es auf dem Motorrad erwischt, so dass er für die Zeit der Schwangerschaft im Koma lag. Meine Mutter wusste, glaube ich, gerade mal seinen Namen und wo er wohnt. Das half ihr aber nicht weiter um meinen Vater während der Schwangerschaft ausfindig zu machen.
Während der Schwangerschaft wurde dann auch noch die Fruchtblase perforiert, so dass ein teil des Fruchtwassers ablief. Wahrscheinlich passierte dies, weil sich meine Mutter beruflich zu sehr verausgabt hat. Jedenfalls: Von nun an musste sie im Krankenhaus bleiben, damit sich das Fruchtwasser wieder auffüllen konnte.
Am 8. Oktober war es dann so weit: Kaiserschnitt-Not-OP, denn ich hatte mich nicht mit dem Kopf in richtung des Geburtskanals gedreht. Dann ging alles sehr schnell. Meine Mutter sagte mir, sie hätte noch gespürt wie sie anfingen zu schneiden bevor sie in die Narkose entschlummert sei.
Nach meiner Geburt stellte man fest, dass ich eine Plexuslähmung hatte, ich konnte meinen linken Arm nicht bewegen. Also kam ich erstmal in die Uniklinik nach Mainz, wo man erst mal ein paar Intensivsessions Krankengymnastik mit mir machte. Mit Erfolg: Heute spüre ich nichts mehr von meiner Plexuslähmung
. Ich kam dann erst zu einer Tagesmutter, doch die weigerte sich eines Tages mich aufzunehmen, angeblich weil ich ihrem eigenen Sohn immer alles kaputt machte was er sich aufbaute. Also nahmen mich meine Großeltern auf, und meine Oma fing an mich mit Süßigkeiten zu verwöhnen; ich wurde zum Mobbelchen.
Meine Kindheit muß wohl eine der glücklichsten Kindheiten auf der ganzen Welt gewesen sein. Wenn ich Fotos von dieser Zeit sehe, so habe ich fast immer einen glücklichen zumindest aber einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck. Geändert hat sich dieser Zustand mit meiner Einschulung. In der Schule viel ich durch assoziales Verhalten auf: Ich machte nicht was die Lehrer mir aufgaben, ich schnitt anderen Mitschülerinnen die Haare ab, ich klemmte mich meiner Klassenlehrerin ans Bein. In den Pausen zahlten es mir dann meine Mitschüler heim: Sie fuhren mir mit ihren Händen durchs Gesicht, hänselten mich mit Schimpfwörtern und nahmen ganz schnell reisaus wenn ich versuchte sie zu fangen um mich zu wehren; aber ich war nicht schnell genug denn ich war ja ein Mobbelchen. Das ging dann so weit, bis ich mit Armen und Beinen vor Zorn und Wut wild um mich schlagend auf dem Schulhof lag, eine große Menge von anderen Schülern um mich stehend mich begaffend. Die Lösung: Zurück in den Kindergarten, denn ich war ja als Kannkind eingeschult worden. Im Kindergarten lief dann wieder alles prima. Aber im nächsten Jahr wurde ich wieder eingeschult, diesmal als Musskind. Und die alten Probleme kamen ganz schnell wieder. Jetzt probierte man es mit Einzelunterricht im Vorzimmer des Rektors; das klappte einwandfrei. In Rekordzeiten hatte ich meine Aufgaben durch. Doch das war keine Lösung auf Dauer. Ich musste wieder in die Klasse zurück; mit den Problemen.
Später dann kam ich in ein Kinderheim in Idstein. Dort ging ich auf eine Schule für Lernbehinderte. Da ich nicht lernbehindert war kam ich anstatt in die zweite gleich in die vierte Klasse. Dort lernte ich neben addieren und subtrahieren auch gleich das erste mal Sexualkunde. Ich sollte dieses Fach, das unter Biologie fällt, in meinem Leben noch drei weitere Male durchnehmen müssen.
Nach dem Kinderheim kam noch eine sehr angenehme Zeit in einer Mutter-Kind-Klinik in Bad Essen auf mich zu. Die erste Zeit dort ging ich in den dort angegliederten Kindergarten, wo wieder alles prima lief. Später kam ich dann in eine Schule. Das klappte dann schon wieder nicht so gut.
Später kam ich dann in eine Pflegefamilie in Klein Zimmern, die später nach Asbach im Modautal umzog. Kaum war ich in meiner neuen Pflegefamilie, da musste ich gleich mal meine in Sexualkunde erworbenen Kenntnisse, des Spasses halber, mit meinen weiblichen Mitpflegekindern ausprobieren. Das ging nur so lange gut bis ich/wir erwischt wurden. Dann gab es eine gehörige Tracht Ärger. Und zwar eine solche, dass ich mich noch heute gut an das tierische Sodbrennen erinnern kann das ich durch das Geschreie/Gebrülle seitens meines Pflegevaters bekam. Zur Erinnerung: Ich war gerade mal neun Jahre alt und noch ein ganzes Stück von der Pubertät entfernt; man hätte das ganze also broblemlos als etwas verspätete Doktorspiele abtun können.
In der Grundschule in die ich in Klein Zimmern ging fühlte ich mich das erste mal einigermaßen wohl. Ich hatte nach einiger Zeit sogar eine Freundin namens Laura. Doch mit Ende der vierten Klasse trennten sich unsere Wege wieder, denn die Pflegefamilie zog um.
Als wir dann nach Asbach umgezogen waren, ging ich schon wieder auf eine andere Schule. In dieser Schule ging's mir eigentlich ganz gut. Ich war zwar immer noch ein bissl Außenseiter aber ich wurde wenigstens nicht mehr nach allen regeln der Kunst fertiggemacht. In dieser Zeit hatte ich einen besten Freund namens Marian. Er ging allerdings nach einiger Zeit mit seiner Familie wieder nach Mazedonien.
Nachdem ich die Förderstufe (5.+ 6. Klasse) an der Modautalschule durchlaufen hatte ging es nach Oberramstadt auf die Georg Christoph Lichtenberg IGS. Hier war ich bis fast zum Schluss wieder mehr Außenseiter. Erst kurz bevor ich dann die Familiengruppe wieder verlassen musste, fand ich den Anschluss an meine Klasse.
Das mit dem verlassen müssen (rausschmiss) der Familiengruppe hat sich so zugetragen:
Wir wohnten nun schon einige Zeit in einem Haus in Asbach, dort hatte es einen Werk-Keller. Nun sind wir eines Tages darauf gekommen, diesen Werk-Keller zu einem Party-Keller umzufunktionieren. Der Pflegevater Bohrte die Löcher in die Decke, woran wir Gardinenleisten schraubten. In die Gardinenleisten kam ein weißer Vorhang, der das Werzeugregal verdeckte. Jetzt mussten nur noch die grauen Wände weiß gestrichen werden, was meine Aufgabe war. Als ich die Wände weiß gestrichen hatte verziehrte ich sie noch mittels Abtönfarbe mit Schriftzügen wie ROCK POP CLASSIC RAP BLUES JAZZ TECHNO METAL HIP-HOP usw. Jetzt fehlte nur noch eins: Die richtige Partybeleuchtung. Ich suchte in dem Kimskrams den der Keller noch zu bieten hatte zwei Glühbirnenfassungen heraus. Diese wollte ich auf gleicher Höhe an die Wand montieren. Doch es fanden sich trotzt zahlreicher Bohrungen keine zwei Löcher auf gleicher Höhe. Aber es waren zwei geeignete Löcher auf fast gleicher Höhe vorhanden. Ich montierte die Fassung im oberen Loch nach unten hängend, die im unteren Loch jedoch nach oben geklemmt. Damit waren nun die beiden Fassungen auf gleicher Höhe. Ich rief den Pflegevater um sein OK abzugeben, doch dieser entdeckte die nach oben festgesteckte Glühbirnenfassung und drehte sie nach unten. Er sagte mir, dass man das nicht so machen könne. Darauf entgegnete ich ihm: "Dann kannst Du's lassen." Darauf ist er dann dermaßen ausgetickt: Er schrie mich immer wieder an: "Willst Du mich verarschen?" worauf ich ihm mehrmals bei normaler Lautstärke mit Nein antwortete, doch er wiederholte seine Frage wieder und wieder, wobei er immer lauter und lauter Brüllte. Weil ich das nicht länger ertragen konnte antwortete ich schließlich mit Ja, darauf schickte er mich auf mein Zimmer. Dort blieb ich ziemlich lange. Das nächste Hilfeplangespräch wurde einberufen und es wurde alles vorbereitet, dass ich die Pflegefamilie verlassen konnte. Ich denke der Pflegevater hatte mich einfach satt. Ich kam dann wieder zu meiner Mutter.
Bei meiner Mutter ging ich in die IGS Mainspitze, wo leider auch der Großteil meiner alten Feinde zur Schule ging. Und schon waren die alten Probleme wieder da, ich hatte umsonst geglaubt, dass sie aus dem Alter der Sticheleien herausgewachsen waren. Sie trauten sich sogar noch mir mit ihren Händen durchs Gesicht zu fahren. Das alles hatte zum Erfolg, dass ich irgendwann nicht mehr in die IGS Mainspitze gegangen bin. Dann kam nochmal der Rektor zu besuch (ein fetter Feigling, der nichts gegen die Sticheleien mir gegenüber unternahm, wahrscheinlich weil er selbst Angst vor meinen Peinigern hatte), doch er zog wieder ab, wobei er die Sache nur noch schlimmer gemacht hatte. Die nächsten Tage war es dann so weit:
Meine Mutter unterbreitete mir den Gedanken, dass ich bald mal eine "stationäre Maßnahme" machen sollte. Der Gedanke schmeckte mir überhaupt nicht, denn ich hatte noch eine Menge Vorurteile zu dieser Zeit z.B. "Wenn du einmal in der Klapse warst kriegst du nie einen Job". Um meinem Unmut noch etwas Nachdruck zu verleihen schlug ich noch ein paar Mal mit meinem Kopf rückwärts gegen die Wand. Doch meine Mutter meinte, dass das die einzige Möglichkeit für mich sei. Dann war unser Frühstückstisch an der Reihe: Eine schnelle, kräftige Handbewegung und er lag mit den Beinen nach oben auf dem Boden. Dann knüpfte ich mir den Rest der Kücheneinrichtung vor: Schränke umgeschmissen, Mikrowelle und Kompaktanlage zerstört, dann noch das Feiertagsgeschirr, das wir ohnehin nie benutzten, Teller nach Teller und Tasse nach Tasse kaputtgeschmissen. In der Zwischenzeit hatte meine Mutter die Polizei gerufen, die sich alsbald in unserer Wohnung einfand. Die verpassten mir estmal ein paar Handschellen, hinter dem Rücken versteht sich. Dann riefen sie den Sankar, noch eine Weile später war der da, und sie schnallten mich mit den Handschellen hinter dem Rücken auf die Trage. Mein linker Daumen blieb deshalb noch für eine ganze Woche taub.
Nun war ich schneller in der Klapse angelangt als mir lieb war. Bald kam ich von der geschlossenen Station auf die halb offene Station. Doch ich durfte während meiner ganzen Diagnostik von sechs Wochen kein einziges Mal alleine vor die Tür. Doch das änderte sich nach meiner Diagnostik. Ach ja, die Diagnose: "Narzistische Persönlichkeitsstörung mit Merkmalen einer Schitzotypen Persönlichkeitsstörung." Erst Jahre später, als ich mir mal DSM-IV gekauft hatte, konnte ich in etwa was mit dieser Diagnose anfangen. Doch ich fand mich nicht in den Kriterien wieder; zumindest zuerst nicht.
Nach meiner Diagnostik sollte ich noch neun weitere Monate zur Therapie dort bleiben müssen. Erst bekam ich rasch immer mehr und mehr Ausgang, bis hin zu einer Stunde mit Absprache, d.h. ich konnte meinen Ausgang flexibel mit den Betreuern absprechen auch über mehrere Stunden. Ich war schließlich ein richtiger Musterknabe geworden, denn ich ging nicht mehr auf die der KJP angegliederte Schule für psychisch kranke, sondern auf das jedermann-Gymnasium in Gernsheim; ich war Aussenschüler geworden. Zwar entschied ich mich dazu, freiwillig ein Jahr zu wiederholen - wegen der langen Fehlzeiten im letzten Jahr - doch mein Zeugnis meinte, dass das gar nicht nötig gewesen wäre, denn ich hatte einen Notendurchschnitt von 1,8. Mit den Kopfnoten wäre er sogar auf 1,6 gestiegen, denn ich hatte sowohl im Arbeits- als auch im Sozialverhalten beides Einser. Trotzdem möchte ich auch hier betonen, dass ich dabei keinesfalls selbst der Schmied meines Glückes war. Es war meiner Meinung nach vielmehr der bombastische Klassenzusammenhalt, der mir das nötige Rückgrat verpasste. Die ganze Klasse hielt zusammen wie Pech und Schwefel, und ich hatte das Gefühl von allen gut aufgenommen zu werden. Dieses Gefühl gut aufgehoben zu sein ermöglichte mir erst meine ganze Entfaltung.
Gegen Ende meiner Therapiezeit schaute man sich nach einer passenden Nachsorgeeinrichtung um. Man fand gleich drei. Leider lag keine davon in der Nähe von Gernsheim, so dass ich nicht länger in Gernsheim zur Schule gehen konnte. Ich entschied mich für die oberflächlich glattpolierteste Einrichtung. Damit meine ich die, die vom Schein her am solidesten wirkte: Komplett und modern eingerichtet und sauber. Da die anderen beiden Einrichtungen gerade erst im entstehen waren, sind sie eindeutig benachteiligt gewesen.
Mein neues Zuhause lag in Marburg, genau zwischen Autobahn und Bahntrasse, unweit eines Kindergartens und unweit eines Bordells, direkt neben einem Pizzaservice, einem Recyclinghof und der Pädagogischen Fakultät der Marburger Uni. Das war "Bei St. Jost", so der Name der Straße.
Mit meinem neuen Zuhause verbunden war ein weiterer Schulwechsel. Nun ging ich auf die Martin Luther Schule. Doch dort konnte ich mich nur einer kleineren Gruppe von "Außenseitern" anschließen. Hier gab es keinen grundsolieden Klassenzusammenhalt wie in Gernsheim sondern mehrere kleinere Grüppchen. In Christoph fand ich meinen besten Freund für die Marburger Zeit. Auch als ich später auf die Elisabeth-Schule wechselte, weil mir das Klima in der MLS-Klasse nicht mehr behagte, blieb er mir der beste Freund. Auf der E-Schule lernte ich dann noch zwei bekanntschaften kennen, doch für richtige Freunde kann ich sie im Nachhinein nicht halten, da sie mir auf ein paar Mails nicht geantwortet haben, obwohl ich sie um Antwort gebeten habe.
Auf der E-Schule kam auch die Zeit in der ich mich mehr und mehr mit Philosophie beschäftigte. Angefangen hat alles im Religionsunterricht als wir das Thema Atheismus durchnahmen. Ich hatte damals einen Gott bejahenden Philosophen, aber Feuerbach imponierte mir mehr mit seiner These, dass nicht Gott den Menschen nach seinem Abbild erschaffen hatte, sondern der Mensch Gott nach seinem Abbild. Ich legte mir außerdem ein paar Bücher von Nietzsche zu, in denen ich eifrig las. Seine Aphorismen hatten es mir besonders angetan, nach einiger Zeit glaubte ich fast alle verstehen und richtig deuten zu können. Gegen Ende meiner philosophischen Phase hatte ich ungefähr sechs tiefgreifende Erkenntnisse pro Tag, und damit meine ich keine Erkenntnisse wie "Oh, das Wetter ist heute aber schön", sondern Erkenntnisse die einem das Leben und die Sicht der Dinge verändern können. Um Hier ein paar zu nennen: "Wir sind alle Marionetten unserer Triebe und Ängste", "Was ich von der Außenwelt wahrnehme ist schon in mir drin, also mein inneres" oder "Mein Charakter kommt durch die verschiedensten Umwelteinflüsse zustande, ist also ein Teil der Außenwelt". Nach nur zwei Tagen dieser hypomanischen erkenntnisreichen Phase drehte ich ab: Mein Lebensmotto war nur noch "Ecce homo" und ich hielt mich auf ein Mal für die Reinkarnation von Jesus Christus. Das ich von meinen Klassenkameraden schon eine ganze Weile lang als Klassenjesus bezeichnet wurde dürfte sich positiv auf den auftretenden Identitätskonflikt ausgewirkt haben. Jetzt war ich wieder mal reif für die Klapse, aber diesmal die für die Erwachsenen.
Ich blieb drei Monate im Zentrum für soziale Psychatrie Marburg Süd. Dort wurde ich medikamentös auf ein Neuroleptikum eingestellt. Ich wurde in der Klapse 18. Nach der Klapse ging ich wieder zurück zu meiner Mutter. Das Jugendamt wollte meinen Aufenthalt in einer Jugendhilfeeinrichtung nicht länger bezahlen, da ich durch meine psychische Destabilisierung nicht länger bereit war zu kooperieren. Da ich jetzt auch nicht mehr Schulpflichtig war, verbrachte ich eine angenehme Zeit des "nichts tun müssens" bei meiner Mutter, genauer gesagt ein gutes halbes Jahr. Diese Zeit wartete ich auf eine Berufsfindung im Berufsbildungswerk (kurz BBW) in Neckargemünd bei Heidelberg. Ich verbrachte diese Zeit hauptsächlich mit PC-Welt lesen und ab und zu einem ausgedehnten Spaziergang oder Fahrradausflug. Dann machte ich meine Berufsfindung im BBW Neckargemünd in den drei Bereichen Elektronik, Metall und im kaufmännischen Bereich, die ich durchwegs mit besten Empfehlungen abschloss. Dann hatte ich ein weiteres dreiviertel Jahr auf den Anfang meiner Berufsausbildung zum IT-Systemelektroniker in besagtem BBW zu warten. Wieder genoss ich diese Zeit des "nichts tun müssens". Dann fing meine Ausbildung an. Mir gefiel alles ganz gut, doch gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres hatte sich ein Berg aus teils realen, teils imaginären Problemen vor mir aufgebaut, den ich nicht bezwingen wollte. Ich bevorzugte den Abgang durch das Fenster. Das brachte mich direkt in die Heidelberger Chirurgie, wo sie mich wieder zusammenflickten. Ich sollte noch ein viertel Jahr dort liegen bleiben und sieben Operationen über mich ergehen lassen. Wenn Ihr euch aussuchen könntet, wo Ihr euren Unfall habt, so würde ich an Eurer Stelle für Heidelberg plädieren, denn in der Heidelberger Chirurgie hat es die nettesten Schwestern und Pfleger.
Am 15. Januar kam ich zur Reha nach Bad Homburg im Taunus. Dort lernte ich mit dem Gehbock und auch wieder alleine aufs Klo zu gehen. Wenn mich meine Mutter dort besuchte gingen wir immer in die Stadtbibliothek um von dort etwas auf gedichte-web zu stöbern. Am 8. März war meine Reha um. Ich war jedoch noch weit von der Selbstständigkeit entfernt. Wieder zurück zu meiner Mutter konnte ich nicht gehen, da die Wohnung nicht Gehbock geeignet ist. Also steckte man mich erstmal dahin wo ich jetzt immer noch wohne: In ein Alten- und Pflegeheim in Stockstadt. Hier habe ich beinahe wieder das segensreiche Gefühl des "nichts tun müssens", wenn da nicht mein derzeitiger Neurologe/Psychiater wäre, der mir schnellstmöglich eine Aufgabe verschaffen möchte. Aus diesem Grund habe ich auch für drei Tage ein Zentrum für psychisch Kranke im Nachbarort besucht. Doch das Ganze ist dort ein fröhliches Beisammensitzen und Däumchen drehen. Arbeit ist nämlich nicht immer vorhanden, wie man mir sagte. Nach drei Tagen hatte ich das Ganze über und ging nicht mehr hin. Mein Psychiater war noch nicht mal richtig bös.
Da der Landeswohlfahrtsverband meine Unterbringung hier in Stockstadt nicht bis in alle Ewigkeiten bezahlt, hat sich mein Betreuer mal nach einer Wohnung für mich umgesehen. Er hat eine 32m² kleine schnuckelige Wohnung auf der Sonnenseite eines Mehrparteienhauses in Nauheim für mich ausfindig gemacht. Wenn jetzt das dortige Sozialamt noch die Miete von 290/420 übernimmt, steht meinem baldigen Einzug in die eigenen vier Wände nichts mehr im Wege.

... so viel bis Heute. Ich hoffe darauf in Zukunft meine Ausbildung fertig machen zu können oder eine andere anzufangen.

© 2004 - 2005 by Daniel Hartmann